14/03/2023
„Seid euch bewusst, dass niemand anderer über euer Schicksal entscheiden darf!“ – Baba Mazari
Am 12.03.2023 fand in Wien wie jedes Jahr eine Gedenkfeier für Baba Mazari statt, an der wie immer zahlreiche Menschen teilgenommen haben. Zunächst möchte ich als Teilnehmerin dem Organisationsteam ein großes Dankeschön aussprechen, da sie eine wunderbare Veranstaltung organisiert haben, um einerseits Baba Mazari zu ehren und andererseits seine Errungenschaften und Ideologien in Erinnerung zu rufen. Denn Mazari war der Erste, der sich in Afghanistan aktiv für Gerechtigkeit für alle einsetzte.
Vor Baba Mazari herrschte in Afghanistan eine Hierarchie; die Hazara standen auf der untersten Stufe. Sie galten als Menschen zweiter Klasse, denen die grundlegendsten Rechte verwehrt wurden. Sie durften zum Beispiel die Schule nicht besuchen oder eine Ausbildung absolvieren, sondern wurden nur für die „dreckigen“ Arbeiten, die die anderen nicht ausüben wollten, eingesetzt. Dementsprechend hatten sie auch keine hohe Stellung in der Gesellschaft oder gar ein Stimmrecht in der Politik. Man hat nicht mit ihnen entschieden, sondern nur über sie. Baba Mazari war der Erste, der sagte: „Nein, so soll und darf es nicht sein. Alle Menschen sind gleich und müssen auch gleich behandelt werden. Denn keine Gesellschaft kann ohne Gleichheit, Toleranz, soziale Gerechtigkeit und Brüderlichkeit überleben.“
Dr. Zaker Ershad, Universitätsprofessor an der Universität Bukarest und Parteichef der „Afghanistan citizen party“, erwähnte genau diese Aussage bei seiner Rede. Er ist der Meinung, dass genau dies die Lösung für Afghanistans Problem sei. Denn seit dem Tod Baba Mazaris sind wir zurück in die Zeit vor ihm katapultiert worden. Wieder einmal gibt es eine Über- und Unterordnung. Hazara werden erneut als Bürger zweiter Klasse betrachtet. Dr. Ershad zufolge sollten wir uns in der Zeit während Mazari bewegen und uns für unsere Rechte einsetzen, wie er es damals gemacht hat. Wir müssen uns Baba Mazari zum Vorbild nehmen und uns gemeinsam für eine gerechtere Zukunft einsetzen.
In einer männerdominierenden Gesellschaft, in der Frauen keinerlei Rechte besaßen, war Baba Mazari auch der Erste, der sich aktiv für Frauenrechte einsetzte. Dies erwähnte auch Frau Mag.a Heidemarie Sequenz, eine österreichische Politikerin der Grünen, die seit November 2020 Abgeordnete zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderats ist, in ihrer Rede über Baba Mazari.
Eine weitere starke Frau, die an dem Tag eine Rede gehalten hat, war Frau F***y Dellinger, Gründerin der Entwicklungsinitiative DARYA, die in Daikundi und Ghazni aktiv ist und dort Wasser- und Bildungsprojekte unterstützt. F***y Dellinger ist Ökonomin und hat zur Integration Geflüchteter in Österreich geforscht. Gemeinsam mit ihrer Organisation leistete sie im Vorjahr humanitäre Hilfe in Afghanistan und unterstützt sie immer noch mit Projekten. Beispielsweise halfen sie mithilfe von Geldspenden im Sommer 2022 eine Schule in einem kleinen Dorf in Afghanistan zu bauen.
Neben den spannenden Reden gab es noch eine kleine Diskussions- sowieso auch Fragerunden mit einigen Experten.
Im Großen und Ganzen war das eine sehr gute Veranstaltung. Ich hoffe inständig, dass wir bald den Tag erleben werden, an dem alle Menschen in Afghanistan als gleichwertig angesehen werden, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Geschlechts. Doch bis dahin müssen wir alle für unsere Rechte kämpfen, denn lasst uns nicht vergessen: Hazara zu sein, ist kein Verbrechen! Wir dürfen uns nicht länger von einer Gesellschaft oder einer extremistischen Gruppe unterdrücken lassen, die uns als minderwertig betrachtet und uns unsere grundlegenden Freiheiten verwehrt. Wir müssen uns erheben und unsere Rechte auf Bildung, Arbeit, Freiheit und Gleichbehandlung einfordern. Gemeinsam können wir eine bessere Zukunft aufbauen, in der jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft und seiner Identität als gleichwertig und wertvoll anerkannt wird.
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